Schreibabys und Schreikinder

War das Elternglück in den ersten Tagen noch perfekt, klagen einige Eltern nach wenigen Wochen über Schlafmangel, Gereiztheit und permanente psychische Belastung wegen eines sogenannten Schreibabys. Zu der Belastung tritt die Verzweiflung, da viele mit der Situation überfordert sind und weder die Ursache für das Schreien ihres Kindes kennen noch wissen, wie sie es beruhigen können. Dieser Umstand belastet sowohl die Beziehung zwischen Vater und Mutter als auch das Elternglück. Wir möchten verzweifelten Eltern an dieser Stelle gerne helfen, indem wir Informationen über mögliche Gründe für das permanente Schreien als auch Maßnahmen, die das Kind beruhigen können, bereitstellen.

Der Begriff Schreibaby oder Schreikind beschreibt Kinder, die exzessiv und dauerhaft über einen längeren Zeitraum hinweg schreien. Dabei ist das Schreien weder durch Stillen noch andere Beruhigungsmaßnahmen wie das Verdunkeln des Zimmers, Ablenkung durch Spielzeug oder den Schnuller zu besänftigen. Schreien ist zunächst ein vollkommen natürlicher Akt, den alle Babys gemeinsam haben. Da sie noch nicht sprechen können, ist das Schreien ihre einzige Möglichkeit auf hunger, Durst, das Bedürfnis nach körperlicher Zuwendung oder nach einer frischen Windel kund zu tun. Auch können sie nur auf diese Weise auf körperliches Unwohlsein und Schmerzen hinweisen. Von daher sollte man zunächst bei jedem Schreien, die genaue Ursache suchen. Häufig sind es eben die natürlichen Bedürfnisse, welches ein Baby zum Schreien veranlasst.

Von einem Schreibaby spricht man dann, wenn das Kind ohne ersichtlichen Grund über einen längeren Zeitraum regelmäßig Schreiattacken hat. Vor allem in den ersten drei Monaten ist dieses Verhalten häufig zu beobachten und flacht danach wieder ab. Dieses Phänomen ist bei ungefähr 20 Prozent der Kinder eines Geburtsjahrgangs feststellbar. Sie schreien mindestens an drei Tagen in der Woche ohne ersichtlichen Grund drei Stunden oder länger durchgehend. Die Ursachen dieses Verhaltens sind noch nicht umfassend geklärt.

Es gibt verschiedene Ansätze hierzu, welche jedoch noch nicht ausreichend empirisch belegt sind. Neben einer Störung des Magen-Darm-Trakts, wodurch Schmerzen bei der Verdauung ausgelöst werden, können auch ein noch nicht regulierter Schlaf-Wach-Rhythmus in Zusammenhang mit dem permanenten Schreien sein. Zudem steht das sogenannte KISS-Syndrom im Verdacht, das ständige Schreien zu verursachen. Zunächst sollten Eltern daher mit ihrem Schreibaby einen Arzt aufsuchen, um eine Krankheit und Schmerzen als Ursachen für das Schreien auszuschließen. Neben körperlichen Ursachen können auch seelische verantwortlich sein. Stress, Angst und das Gefühl verlassen zu sein, bewirken beim Baby ebenfalls ein Schreien. Aber auch das Überbehüten von Eltern kann einen Mechanismus beim Kind in Gang setzen, indem es lernt, dass wenn es schreit, sich die Eltern sofort ihm zuwenden und liebevoll um es kümmern. Auch eine Reizüberflutung kann bei Kindern und Babys zum Schreien führen.

Daher sollte man nachdem alle körperlichen Ursachen für das Schreien ausgeschlossen worden sind, sich ruhig seinem Kind nähern und es mit leiser Stimme und langsamen Bewegungen zu beruhigen versuchen. Hektik wühlt es nur weiter auf. Auch der Raum sollte entspannend wirken. Abgedunkelte Räume mit wenigen Reizen und ruhigen Farbtönen sind hierfür bestens geeignet. Man sollte ein Kind auch niemals zu lange alleine schreien lassen. Es kann immer etwas Ernstes dahinter stecken. Zudem fördert eine Reaktion auf das Schreien auch das Vertrauen des Kindes zu den Eltern.